Abschnitt 4.3.3 · Elektrische und elektronische Bauteile · Technische Kenntnisse Klasse E. 7 Fragen, jede mit Erklärung.
Auf dieser Seite stehen alle 7 Prüfungsfragen zum Thema Spule (Kapitel „Elektrische und elektronische Bauteile“). Überlege erst selbst und klappe dann die Lösung auf: Dort steht der Lösungsweg und bei jeder falschen Antwort, welcher Denkfehler dahintersteckt.
Kondensator und Spule haben für Wechselstrom einen Widerstand, der von der FREQUENZ abhängt — und sie verhalten sich dabei genau entgegengesetzt. Der Kondensator muss bei jeder Halbwelle umgeladen werden; je schneller das geschieht, desto mehr Strom fließt, also SINKT sein Wechselstromwiderstand mit steigender Frequenz. Die Spule wehrt sich gegen jede Stromänderung durch Selbstinduktion; je schneller die Änderung, desto stärker die Gegenwehr, also STEIGT ihr Wechselstromwiderstand mit der Frequenz. Ein Satz zum Behalten: der Kondensator lässt Hohes durch und sperrt Tiefes, die Spule lässt Tiefes durch und sperrt Hohes. Damit ist jedes Filter erklärt, und auch, warum ein Kondensator Gleichspannung vollständig sperrt. Beim Kondensator selbst hängt die Kapazität an drei Dingen: der Plattenfläche, dem Plattenabstand und dem Material dazwischen. Größerer Abstand heißt WENIGER Kapazität. Der Drehkondensator nutzt dagegen die dritte Größe, die Fläche: seine Platten rotieren zwischen festen Platten und verändern damit die Überdeckung. Von der angelegten SPANNUNG hängt die Kapazität dagegen nicht ab; die Spannung entscheidet nur, ob das Dielektrikum durchschlägt. Bei der Spule ist es entsprechend: Windungszahl, Fläche und Kern bestimmen die Induktivität, und weil die Windungen sich gegenseitig verketten, wird die Induktivität größer, wenn man die Spule in der Länge STAUCHT — die Windungen rücken zusammen. Und selbst ein gerades Stück Draht hat eine Induktivität; das ist keine Spitzfindigkeit, sondern der Grund, warum bei hohen Frequenzen jede Zuleitung zählt. Bringt man Spule und Kondensator zusammen, gibt es genau eine Frequenz, bei der beide Blindwiderstände gleich groß sind und sich aufheben: die Resonanz. Im PARALLELschwingkreis heben sie sich so auf, dass von außen ein sehr HOHER Widerstand erscheint — deshalb sitzt der Parallelkreis dort, wo eine Frequenz stehen bleiben soll. Für HF-Filter nimmt man Kondensatoren mit möglichst verlustarmem Dielektrikum, also Keramik oder Luft, keine Elektrolytkondensatoren.
Kondensator, Frequenz steigt
Widerstand sinkt
Lässt Hohes durch, sperrt Tiefes. Gleichspannung sperrt er ganz.
Spule, Frequenz steigt
Widerstand steigt
Lässt Tiefes durch, sperrt Hohes.
Kapazität hängt ab von
Fläche, Abstand, Dielektrikum
Nicht von der Spannung.
Größerer Plattenabstand
kleinere Kapazität
Drehkondensator
Platten rotieren zwischen festen Platten
Verändert die wirksame Fläche.
Elektrolytkondensator
auf Polarität achten
Falsch eingebaut kann er bersten.
Für HF-Filter
Keramik oder Luft
Verlustarm. Kein Elko.
Induktivität vergrößern
Spule in der Länge stauchen
Windungen rücken zusammen, die Verkettung nimmt zu.
Gerades Drahtstück
hat auch Induktivität
Jeder Leiter, unabhängig von der Form.
Resonanz
beide Blindwiderstände gleich
Sie heben sich auf.
Parallelschwingkreis bei Resonanz
hochohmig
Von außen erscheint ein großer Widerstand.
Merken: Der Kondensator lässt Hohes durch, die Spule lässt Tiefes durch — daraus folgt jedes Filter. Die Kapazität hängt an Fläche, Abstand und Dielektrikum, nicht an der Spannung; größerer Abstand heißt weniger Kapazität. Eine gestauchte Spule hat mehr Induktivität. Und der Parallelschwingkreis ist bei Resonanz hochohmig.
EC301An eine Spule wird über einen Widerstand eine Gleichspannung angelegt. Welches der nachfolgenden Diagramme zeigt den zeitlichen Verlauf der Spannung über der Spule?ab Klasse E
Lösung und Erklärung zeigen
Richtig ist A:
Eine Spule speichert Energie im Magnetfeld, und dieses Feld gehört zum Strom. Der Strom kann deshalb nicht springen, er beginnt im Einschaltmoment bei null und steigt langsam an. Die Spulenspannung ist gerade die Spannung, die den Strom ändert: solange sich der Strom schnell ändert, ist sie groß. Im Einschaltmoment fließt noch kein Strom, über dem Widerstand fällt nichts ab und die ganze Quellenspannung liegt an der Spule; mit wachsendem Strom übernimmt der Widerstand immer mehr davon, und die Spulenspannung klingt gegen null ab. Am Kondensator ist es umgekehrt, weil dort die Spannung an die gespeicherte Ladung gebunden ist und deshalb langsam ansteigt, während der Strom sofort groß ist.
Kniff: Frage nur nach dem Einschaltmoment: Der Strom ist dann null, über dem Widerstand fällt keine Spannung ab, also liegt die volle Quellenspannung an der Spule. Gesucht ist damit die Kurve, die oben beginnt und abklingt. Die häufigste Verwechslung ist die ansteigende Kurve mit waagerechtem Endwert, denn sie sieht vertraut aus, gehört aber zum Spulenstrom und nicht zur Spulenspannung. Kurven, die erst gegen das Ende steil werden, gehören zu keinem Ein- oder Ausschaltvorgang.
EC302Schaltet man zwei Leuchtmittel gleichzeitig an eine Gleichspannungsquelle, wobei ein Leuchtmittel, Lampe 1, zum Helligkeitsausgleich über einen Widerstand und das andere, Lampe 2, über eine Spule mit vielen Windungen und Eisenkern angeschlossen ist, so ...ab Klasse E
leuchtet Lampe 1 zuerst.
leuchtet Lampe 2 zuerst.
leuchten Lampe 1 und Lampe 2 genau gleichzeitig.
leuchtet Lampe 2 kurz auf und geht wieder aus. Lampe 1 leuchtet.
Lösung und Erklärung zeigen
Richtig ist A: leuchtet Lampe 1 zuerst.
Kniff: Beide Zweige bekommen im selben Augenblick dieselbe Spannung; der Unterschied liegt allein darin, wie schnell der Strom in jedem Zweig hochkommt. Im Zweig mit dem Widerstand springt er sofort auf seinen Endwert, ein Widerstand hat kein Gedächtnis. Die Spule mit vielen Windungen und Eisenkern hat eine große Induktivität: der anwachsende Strom baut ein Magnetfeld auf, und dieses erzeugt eine Spannung, die dem Anwachsen entgegenwirkt. Der Strom in Zweig 2 kriecht deshalb erst langsam hoch. Also leuchtet Lampe 1 zuerst. Lampe 2 kommt kurz danach nachgezogen und bleibt dann an, denn für den fertig eingelaufenen Gleichstrom ist die Spule nur noch ein Stück Draht mit kleinem Widerstand.
Warum die anderen nicht stimmen:
leuchtet Lampe 2 zuerst. – Das wäre so, wenn die Spule den Strom antreiben würde. Sie tut das Gegenteil: die selbst erzeugte Spannung wirkt der Änderung entgegen und bremst den Aufbau des Stromes. Die vielen Windungen und der Eisenkern machen diese Bremswirkung gerade besonders stark.
leuchten Lampe 1 und Lampe 2 genau gleichzeitig. – Das gälte nur, wenn in beiden Zweigen reine Widerstände lägen. Die Spule verzögert den Stromanstieg in ihrem Zweig merklich — genau deshalb ist im Bild eine Spule mit Eisenkern gezeichnet und kein zweiter Widerstand.
leuchtet Lampe 2 kurz auf und geht wieder aus. Lampe 1 leuchtet. – So verhält sich ein Kondensator in Reihe: er lässt den Einschaltstrom durch und sperrt danach. Die Spule macht es umgekehrt — erst bremsen, dann durchlassen. Lampe 2 kommt verzögert und bleibt an.
EC303Welches Verhalten zeigt der Wechselstromwiderstand einer idealen Spule mit zunehmender Frequenz?ab Klasse E
Er steigt bis zu einem Maximum und sinkt dann wieder.
Er sinkt.
Er steigt.
Er sinkt bis zu einem Minimum und steigt dann wieder.
Lösung und Erklärung zeigen
Richtig ist C: Er steigt.
Kniff: Auch hier hilft die Gegenprobe am unteren Ende: bei Gleichstrom ist die Spule nur ein Stück Draht mit fast 0 Ω. Von dort kann ihr Widerstand nur wachsen. Die beiden Antworten mit Umkehrpunkt beschreiben Schwingkreise, nicht eine einzelne ideale Spule.
Warum die anderen nicht stimmen:
Er steigt bis zu einem Maximum und sinkt dann wieder. – Ein Maximum entsteht erst, wenn eine Kapazität dazukommt: so verhält sich ein Parallelschwingkreis bei seiner Resonanzfrequenz. Die einzelne Spule hat keine solche Frequenz.
Er sinkt. – Das ist der Kondensator. Bei ihm fließt mit steigender Frequenz mehr Umladestrom, bei der Spule wächst dagegen die Gegenwehr.
Er sinkt bis zu einem Minimum und steigt dann wieder. – Die Richtung ist vertauscht und zusätzlich ein Umkehrpunkt behauptet. Dieser Verlauf gehört zum Reihenschwingkreis aus Spule und Kondensator.
EC304Hat ein gerades Leiterstück eine Induktivität?ab Klasse E
Ja, jeder Leiter besitzt, unabhängig von der Form, eine Induktivität.
Ja, solange der Blindwiderstand 0 Ω beträgt.
Nein, der Leiter muss wenigstens eine Krümmung (eine viertel, halbe oder ganze Windung) haben.
Nein, beispielsweise im Vakuum entstehen keine Induktivitäten.
Lösung und Erklärung zeigen
Richtig ist A: Ja, jeder Leiter besitzt, unabhängig von der Form, eine Induktivität.
Kniff: Zwei Antworten beginnen mit „Ja“, aber nur eine kommt ohne Bedingung aus. Prüfe die Bedingungen: eine widerspricht sich selbst, und die beiden Antworten mit „Nein“ machen Form oder Umgebung zur Voraussetzung. An keinem von beidem hängt die Induktivität.
Warum die anderen nicht stimmen:
Ja, solange der Blindwiderstand 0 Ω beträgt. – Die Bedingung hebt die Aussage auf: wo eine Induktivität wirkt, ist der Blindwiderstand oberhalb von 0 Hz gerade nicht null. Die Induktivität ist eine Eigenschaft des Leiters und keine Folge eines bestimmten Blindwiderstands.
Nein, der Leiter muss wenigstens eine Krümmung (eine viertel, halbe oder ganze Windung) haben. – Hier wird die Form zur Voraussetzung gemacht. Wäre es so, dürfte die Länge einer geraden Zuleitung bei hohen Frequenzen keine Rolle spielen — sie spielt aber eine.
Nein, beispielsweise im Vakuum entstehen keine Induktivitäten. – Verwechselt wird die Umgebung mit dem Leiter. Das Magnetfeld um einen stromdurchflossenen Leiter bildet sich auch im Vakuum; Luft und Vakuum sind sogar der Normalfall für Spulen ohne Kern.
EC305Wie kann man die Induktivität einer zylindrischen Spule vergrößern?ab Klasse E
Durch Einbau der Spule in einen Abschirmbecher.
Durch Einführen eines Kupferkerns in die Spule.
Durch Stauchen der Spule in Längsrichtung.
Durch Auseinanderziehen der Spule in Längsrichtung.
Lösung und Erklärung zeigen
Richtig ist C: Durch Stauchen der Spule in Längsrichtung.
Kniff: Zwei Antworten bringen Metall in das Feld der Spule, zwei verändern ihre Länge. Bei der Länge entscheidet die Verkettung der Windungen: rücken sie zusammen, steigt die Induktivität. Von den beiden Längenantworten ist daher die zu nehmen, die die Spule kürzer macht.
Warum die anderen nicht stimmen:
Durch Einbau der Spule in einen Abschirmbecher. – Ein Abschirmbecher hält das Feld von der Umgebung fern. Er bringt weder zusätzliche Windungen noch einen magnetisch gut leitenden Kern hinzu, größer wird die Induktivität dadurch nicht.
Durch Einführen eines Kupferkerns in die Spule. – Kupfer leitet den Strom gut, das Magnetfeld aber nicht besser als Luft. Für mehr Induktivität müsste der Kern magnetisch gut leitend sein, etwa aus Eisen oder Ferrit.
Durch Auseinanderziehen der Spule in Längsrichtung. – Das ist genau die Gegenrichtung: die Windungen rücken auseinander, verketten sich schwächer, und die Induktivität wird kleiner.
EC306Vorausgesetzt sind zwei Spulen in gleicher Umgebung, mit gleicher Windungszahl und mit gleicher Querschnittsfläche. Die erste Spule hat eine Induktivität von 12 μH. Die zweite Spule hat die doppelte Länge der ersten Spule. Wie hoch ist die Induktivität der zweiten Spule?ab Klasse E
3 μH
6 μH
48 μH
24 μH
Lösung und Erklärung zeigen
Richtig ist B: 6 μH
Lösungsweg:
L ist der Länge umgekehrt proportional: L = µ · N² · A / l
Windungszahl, Fläche und Umgebung bleiben gleich, l wird doppelt so groß
L2 = 12 µH / 2 = 6 µH
Kniff: In der Formel für die Induktivität steht die Länge im Nenner: L = µ · N² · A / l. Windungszahl, Querschnittsfläche und Umgebung bleiben gleich, nur l wird doppelt so groß — also wird L halb so groß. Die Falle ist das Quadrat: es steht bei der Windungszahl N, nicht bei der Länge. Die Länge geht einfach ein.
Warum die anderen nicht stimmen:
3 μH – Durch 4 geteilt statt durch 2: das Quadrat aus der Formel ist auf die Länge angewandt worden, 12 µH / 2² = 3 µH. Quadriert wird aber nur die Windungszahl.
24 μH – Mit 2 multipliziert statt geteilt — die Länge ist behandelt worden, als stünde sie im Zähler. Sie steht im Nenner: mehr Länge bei gleicher Windungszahl heißt weniger Induktivität.
48 μH – Beide Fehler zusammen, mal statt geteilt und dazu quadriert: 12 µH · 2² = 48 µH. Das ist die Rechnung, die zur doppelten Windungszahl gehören würde, nicht zur doppelten Länge.
EC307Wie ändert sich die Induktivität einer Spule von 12 μH, wenn die Windungszahl bei gleicher Wickellänge verdoppelt wird?ab Klasse E
Die Induktivität steigt auf 48 μH.
Die Induktivität sinkt auf 3 μH.
Die Induktivität steigt auf 24 μH.
Die Induktivität sinkt auf 6 μH.
Lösung und Erklärung zeigen
Richtig ist A: Die Induktivität steigt auf 48 μH.
Lösungsweg:
L ist proportional zu N · N (bei gleicher Länge und gleichem Querschnitt)
Windungszahl verdoppelt: Faktor 2 · 2 = 4
L = 4 · 12 μH = 48 μH
Kniff: In der Aufgabe bleibt die Wickellänge gleich, nur die Windungszahl verdoppelt sich; im Bild müsste man also doppelt so viele, entsprechend dünnere Windungen auf derselben Strecke unterbringen. Die Windungszahl geht quadratisch in die Induktivität ein, nicht einfach. Zwei Gründe dafür: doppelt so viele Windungen machen ein doppelt so starkes Feld, und dieses doppelte Feld wird von doppelt so vielen Windungen aufgefangen. Doppelte Windungszahl heißt darum vierfache Induktivität.
Warum die anderen nicht stimmen:
Die Induktivität sinkt auf 3 μH. – Der Faktor 4 ist richtig erkannt, aber in die falsche Richtung angewandt: geteilt statt multipliziert. Mehr Windungen ergeben immer mehr Induktivität, nie weniger.
Die Induktivität steigt auf 24 μH. – Hier wurde nur mit 2 multipliziert — das Quadrat der Windungszahl ist vergessen. Die Richtung stimmt, der Faktor ist 4 und nicht 2.
Die Induktivität sinkt auf 6 μH. – Doppelt daneben: durch 2 geteilt statt mit 4 multipliziert. Weder die Richtung noch der Faktor stimmt.
Fragen und Abbildungen: Prüfungsfragenkatalog der Bundesnetzagentur, 3. Auflage (gültig seit 24. Juni 2024), Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – 2.0. Die Antworten sind gemischt. Erklärungen, Lösungswege und Begriffsblätter: Amateurfunk-Trainer.