| Einströmung | über Leitungen oder Kabel | Netzkabel, Lautsprecherleitung, Antennenzuführung — der Weg führt durch einen Draht. |
| Einstrahlung | über das Gehäuse | Die HF gelangt durch die ungenügende Abschirmung direkt in die Elektronik. |
| Kein Weg hinein | schlechtes Stehwellenverhältnis | Das betrifft Sender und Antenne, nicht das Nachbargerät. |
| Gegen Einströmung | Leitung filtern und schirmen | Am Draht ansetzen, auf dem die HF ankommt. |
| Gegen Einstrahlung | möglichst geschlossenes Metallgehäuse | Kunststoff schirmt nicht, egal bei welcher Dielektrizitätszahl. Ein Blech unter der Baugruppe genügt nicht. |
| Übersteuerung | reines Nutzsignal, zu stark | Keine unerwünschte Aussendung und keine Nebenaussendung — das Problem sitzt im gestörten Empfänger. |
| Übersteuerung erkennen | Rückgang der Empfindlichkeit | Nicht Empfindlichkeitssteigerung, keine Pfeifstellen, keine blockierte Frequenzeinstellung. |
| Musterfall | Gewinnantenne direkt auf TV-Antenne | Eine 432-MHz-Sendeantenne, unmittelbar auf die Fernseh-Empfangsantenne gerichtet, übersteuert den TV-Empfänger. |
| Drahtantenne im Reihenhaus | rechtwinklig zur Häuserzeile | Nicht entlang der Zeile, nicht im Dachbereich, nicht am gemeinsamen Schornstein neben der Fernsehantenne. |
| Parallel zur 230-V-Leitung | HF-Ströme koppeln ins Netz | Keine Überspannung im Netz, keine 50-Hz-Modulation, keine harmonischen Schwingungen. |
| Erdung der Sendeantennen | separate HF-Erdleitung | Eine eigene HF-Erde, nicht der Schutzleiter und nicht ein Wasserrohr — aber zusätzlich an die Haupterdungsschiene angebunden. |
Merken: Bestimme zuerst den Weg, dann steht die Abhilfe fest: über Leitungen heißt Einströmung, über das Gehäuse heißt Einstrahlung. Gegen Einströmung hilft Filtern und Schirmen der Leitung, gegen Einstrahlung ein möglichst geschlossenes Metallgehäuse. Die Übersteuerung ist der dritte Fall — dort stört schon das reine Nutzsignal, weil es zu stark ankommt, und du erkennst sie am Rückgang der Empfindlichkeit. Vorbeugen heißt: rechtwinklig zur Häuserzeile, nicht parallel zur 230-V-Leitung, separate HF-Erdleitung.
Der Zusammenhang
Bei einer Störung ist die erste Frage nicht, wie stark der Sender ist, sondern auf welchem WEG die Hochfrequenz in das fremde Gerät gelangt. Denn der Weg entscheidet über die Abhilfe, und sonst nichts. Kommt die Hochfrequenz über Leitungen oder Kabel hinein — Netzkabel, Lautsprecherleitung, Antennenzuführung —, heißt das Einströmung. Kommt sie über ein ungenügend abgeschirmtes Gehäuse direkt in die Elektronik, heißt das Einstrahlung. Daraus folgt unmittelbar, was zu tun ist: gegen Einströmung filtert und schirmt man die LEITUNG, gegen Einstrahlung braucht es ein möglichst geschlossenes METALLgehäuse. Ein Kunststoffgehäuse schirmt nicht, gleichgültig welche Dielektrizitätszahl es hat, und ein Blech unter der Baugruppe ist kein geschlossenes Gehäuse. Mit dem Stehwellenverhältnis hat beides nichts zu tun; das ist eine Sache zwischen Sender und Antenne, kein Weg in ein Nachbargerät. Der dritte Fall ist von anderer Art und wird am häufigsten verwechselt: die Übersteuerung. Hier ist an der Aussendung nichts auszusetzen. Schon das reine Nutzsignal kann den Empfang anderer Frequenzen in einem benachbarten Empfänger zudecken, wenn es dort einfach zu stark ankommt — eine 432-MHz-Antenne mit hohem Gewinn, die unmittelbar auf eine Fernseh-Empfangsantenne gerichtet ist, ist dafür der Musterfall. Deshalb ist das keine Störung durch unerwünschte Aussendungen oder Nebenaussendungen: die entstehen im Sender, die Übersteuerung entsteht im gestörten Empfänger. Erkennen kann man sie daran, dass die Empfindlichkeit ZURÜCKGEHT und schwache Signale verschwinden, obwohl am Empfänger nichts verstellt wurde. Aus dem Weg folgt schließlich die ganze Vorbeugung an der eigenen Station. Man sendet mit der kleinsten ausreichenden Leistung, weil das, was nicht abgestrahlt wird, auch nicht einströmen kann. Eine Drahtantenne im Reihenhaus führt man rechtwinklig zur Häuserzeile, weil sie dann nicht über ihre ganze Länge neben den Leitungen der Nachbarn liegt. Aus demselben Grund sollte eine Kurzwellen-Sendeantenne nicht nahe und parallel zu einer 230-V-Wechselstromleitung verlaufen: sonst werden Hochfrequenzströme ins Netz eingekoppelt, und das Netz führt sie durch das ganze Haus. Und für Sendeantennen nimmt man eine separate HF-Erdleitung, damit der Rückweg der Hochfrequenz nicht durch die Hausinstallation läuft. Wichtig dabei: separat heißt ein eigener HF-Rückweg, NICHT eine vom Haus getrennte zweite Erde. Sie gehört zusätzlich an die Haupterdungsschiene, und der Schutzleiter entfällt dadurch nie — eine nicht in den Potentialausgleich einbezogene Erde ist gefährlich.
Herkunft: Fragenkatalog Klasse E, Abschnitt EMV und störende Beeinflussungen (EJ101 bis EJ103 und EJ106 bis EJ111). Der Grundsatz, mit der kleinsten ausreichenden Sendeleistung zu arbeiten, ist kein Zusatzwissen, sondern wird in EJ104 und EJ105 abgefragt — die hängen am Blatt Störungen. Zusatzwissen und nicht geprüft: die Begründung, dass parallel geführte Leiter miteinander koppeln, und dass eine HF-Erde zusätzlich in den Potentialausgleich gehört.