Abschnitt 3.7.4 · Antennen und Übertragungsleitungen · Technische Kenntnisse Klasse N. 2 Fragen, jede mit Erklärung.
Auf dieser Seite stehen alle 2 Prüfungsfragen zum Thema Strahlungsleistung (EIRP und ERP) (Kapitel „Antennen und Übertragungsleitungen“). Überlege erst selbst und klappe dann die Lösung auf: Dort steht der Lösungsweg und bei jeder falschen Antwort, welcher Denkfehler dahintersteckt.
Leistung ist im Amateurfunk nicht eine Zahl, sondern drei verschiedene Fragen, und jede hat ihren eigenen Messpunkt. PEP fragt: was verlässt den Sender? Gemessen am Senderausgang, die Antenne bleibt außer Betracht. ERP und EIRP fragen: was kommt in der Hauptstrahlrichtung heraus? Dafür braucht man einen Vergleichsmaßstab, und es gibt zwei davon — den Halbwellendipol (ERP) und den isotropen Kugelstrahler (EIRP). Das I in EIRP ist das I von isotrop, und weil der Dipol gegenüber dem Kugelstrahler selbst schon 2,15 dB gewinnt, ist EIRP immer der größere Wert. Daraus folgt, warum der Gesetzgeber je nach Band verschieden begrenzt. Auf Kurzwelle begrenzt er die Senderleistung (PEP), weil die Antennen dort selten großen Gewinn haben. Bei der Klasse N und bei Relaisfunkstellen begrenzt er die gestrahlte Leistung, weil dort eine Richtantenne den Unterschied ausmacht — fünf Watt an einer Antenne mit Gewinn können die Grenze von 10 W EIRP schon überschreiten. Wer das versteht, muss die Tabelle nicht raten: die Frage nach der Einheit verrät schon, worauf es ankommt. In der Klasse E werden die Begriffe genauer gefasst, und der Unterschied liegt allein im ZEITFENSTER, über das gemittelt wird. PEP mittelt über eine einzige Periode der Hochfrequenzschwingung — also über einen winzigen Augenblick — und zwar genau an der höchsten Spitze der Modulationshüllkurve, gemessen an einem reellen Abschlusswiderstand. Es ist damit die größte Leistung, die im Betrieb überhaupt vorkommt. Die mittlere Leistung mittelt dagegen über ein Zeitintervall, das im Verhältnis zur Periode der TIEFSTEN Modulationsfrequenz ausreichend lang ist — sie glättet also über die ganze Sprache hinweg und ist bei SSB viel kleiner als PEP. Beide Werte beschreiben dasselbe Signal; wer sie verwechselt, verwechselt nicht die Messstelle, sondern die Mittelungsdauer. Und Achtung bei den Grenzwerten der AFuV: nur wo eine Grenze in Watt PEP angegeben ist — Klasse A und Klasse E —, ist der Spitzenwert gemeint. Für die Klasse N und für Relaisfunkstellen steht die Grenze dagegen als GESTRAHLTE Leistung da, in EIRP oder ERP. Die Einheit verrät also, welche Frage gestellt ist: PEP fragt nach dem Sender, EIRP und ERP fragen nach dem, was herauskommt.
PEP
Spitzenleistung
Spitze der Hüllkurve, am Senderausgang gemessen. Die Antenne zählt nicht mit.
ERP
Bezug: Halbwellendipol
Effektive Strahlungsleistung. Kein I im Namen, also nicht isotrop.
EIRP
Bezug: isotroper Strahler
Das I steht für isotrop — der Kugelstrahler ist der Maßstab.
Klasse N
10 W
EIRP auf 2 m und 70 cm, ERP auf 10 m. Gestrahlt, nicht gesendet: der Antennengewinn zählt mit.
Klasse E
100 W PEP
So auf Kurzwelle. Auf 2 m und 70 cm nur 75 W, über 1300 MHz nur 5 W.
Klasse A
750 W PEP
Zwei Ausnahmen: 150 W im 30-m-Band, 75 W über 1300 MHz.
Relais
50 W ERP
Oberhalb 30 MHz. Die einzige Stelle im Katalog, an der 50 W ERP als Grenzwert steht.
PEP genau
über EINE HF-Periode gemittelt
Und zwar an der höchsten Spitze der Modulationshüllkurve, an einen reellen Abschlusswiderstand.
Mittlere Leistung
über ein langes Zeitintervall gemittelt
Lang gegenüber der Periode der TIEFSTEN Modulationsfrequenz.
Der Unterschied
welches Fenster gemittelt wird
PEP ein sehr kurzes am Maximum, die mittlere Leistung ein langes über alles.
Merken: Das I in EIRP ist das I von isotrop; ERP hat kein I und bezieht sich auf den Halbwellendipol. Weil der Dipol gegenüber dem Kugelstrahler schon 2,15 dB gewinnt, ist EIRP immer der größere Wert: EIRP = ERP mal 1,64. Die Zahlen von unten nach oben: N zehn, E hundert, A siebenhundertfünfzig. In der Klasse E zählt die Mittelungsdauer: PEP über EINE HF-Periode am Hüllkurvenmaximum, die mittlere Leistung über ein Fenster, das lang ist gegenüber der tiefsten Modulationsfrequenz. Und die Einheit des Grenzwerts sagt, was gemeint ist: PEP bei den Klassen A und E, gestrahlte Leistung (EIRP oder ERP) bei der Klasse N und bei Relais.
NG401Die effektive Strahlungsleistung ERP (Effective Radiated Power) ist die von ...ab Klasse N
einem Halbwellendipol abgestrahlte Leistung, bezogen auf eine Antenne.
einer Antenne abgestrahlte Leistung, bezogen auf einen Halbwellendipol.
einem isotropen Strahler abgestrahlte Leistung, bezogen auf eine Antenne.
einer Antenne abgestrahlte Leistung, bezogen auf einen isotropen Strahler.
Lösung und Erklärung zeigen
Richtig ist B: einer Antenne abgestrahlte Leistung, bezogen auf einen Halbwellendipol.
Kniff: Lies die Antwort von hinten: worauf BEZIEHT sich die Angabe? Bei ERP ist das der Halbwellendipol. Und abgestrahlt wird von der Antenne, die man wirklich hat — nicht umgekehrt. Zwei der vier Antworten drehen genau das: bei ihnen strahlt der Dipol und die eigene Antenne ist der Bezug.
Warum die anderen nicht stimmen:
einem Halbwellendipol abgestrahlte Leistung, bezogen auf eine Antenne. – Richtung verdreht. Der Halbwellendipol ist der Maßstab, nicht der Sender. Gestrahlt wird von der eigenen Antenne.
einem isotropen Strahler abgestrahlte Leistung, bezogen auf eine Antenne. – Doppelt falsch: der Strahler ist vertauscht und die Richtung verdreht. Der isotrope Strahler gehört zu EIRP.
einer Antenne abgestrahlte Leistung, bezogen auf einen isotropen Strahler. – Die Richtung stimmt, aber das ist die Erklärung von EIRP. ERP hat kein I — kein isotroper Strahler.
NG402Die gleichwertige isotrope Strahlungsleistung EIRP (Equivalent Isotropic Radiated Power) ist die von ...ab Klasse N
einem isotropen Strahler abgestrahlte Leistung, bezogen auf eine Antenne.
einer Antenne abgestrahlte Leistung, bezogen auf einen Halbwellendipol.
einem Halbwellendipol abgestrahlte Leistung, bezogen auf eine Antenne.
einer Antenne abgestrahlte Leistung, bezogen auf einen isotropen Strahler.
Lösung und Erklärung zeigen
Richtig ist D: einer Antenne abgestrahlte Leistung, bezogen auf einen isotropen Strahler.
Kniff: Das I in EIRP ist das I von isotrop. Damit ist der Bezugspunkt schon geklärt, und es bleibt nur die Richtung: gestrahlt wird von der eigenen Antenne, verglichen wird mit dem Kugelstrahler.
Warum die anderen nicht stimmen:
einem isotropen Strahler abgestrahlte Leistung, bezogen auf eine Antenne. – Richtung verdreht. Der isotrope Strahler ist der Maßstab — er strahlt nicht, er existiert nur als Rechengröße.
einer Antenne abgestrahlte Leistung, bezogen auf einen Halbwellendipol. – Die Richtung stimmt, aber das ist ERP. Der Halbwellendipol gehört zu ERP, nicht zu EIRP.
einem Halbwellendipol abgestrahlte Leistung, bezogen auf eine Antenne. – Doppelt falsch: falscher Bezug und verdrehte Richtung. Weder strahlt der Dipol, noch ist er bei EIRP der Maßstab.
Fragen und Abbildungen: Prüfungsfragenkatalog der Bundesnetzagentur, 3. Auflage (gültig seit 24. Juni 2024), Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – 2.0. Die Antworten sind gemischt. Erklärungen, Lösungswege und Begriffsblätter: Amateurfunk-Trainer.